Vor meinem Studium an der TU Graz habe ich in Bozen (Südtirol) die Oberschule für Geometer "Peter Anich" besucht. Es ist eine 5-jährige technische Oberschule welche mit der Matura abschließt. Danach darf sich der Maturant "Geometer" nennen. In Italien ist es üblich dass man als Geometer entweder sofort ins Berufsleben (allerdings nicht als Selbständiger) einsteigt, oder nach einem 2-jährigen Praktikum bei einem Freiberufler die Geometer-Staatsprüfung macht und dann selbst auch freiberuflich tätig sein kann. Das heißt, dass in Italien kein Universitätsstudium notwendig ist um als Vermesser zu arbeiten. Ich habe mich trotzdem für das Studium des Vermessungswesen entschieden weil mich die Materie sehr interessiert und weil ich in der Oberschule für Geometer einen Lehrer im Fach Vermessungswesen (Dipl. Ing. Christian Gamper) hatte, der selbst an der TU Graz Vermessungswesen studiert hatte. Er hat mich auch zu diesem Studium inspiriert (z.B. als Tutor bei meiner Maturafacharbeit über Geographische Informationssysteme).
Durch meine Schulbildung hatte ich schon einige Vorkenntnisse im Vermessungswesen was mir einige Lehrveranstaltungen in den ersten Semestern erheblich erleichert hat. Nach mittlerweile 8 Semestern und viel Einblick in die Arbeit der Geometer in Südtirol (durch diverse Ferienjobs), bin ich zur Meinung gekommen, dass für die verantwortungsvolle Tätigkeit als Vermesser die Oberschule für Geometer alleine nicht ausreicht. Ich bin der Ansicht, dass in Italien eine weiterführende und vertiefende Ausbildung (z.B. höhere Geodäsie, Ingenieurgeodäsie, Ausgleichsrechnung, Photogrammetrie, Geoinformatik...) nach der Geometer-Matura vor der Ausübung des eigentlichen Berufs dringend notwendig ist.
Genug geschwafelt, nun zum eigentlichen Studium.
Ziel des Studiums der Vermessung und Geoinformation an der Technischen Universität Graz ist die wissenschaftliche Berufsvorbildung zur Modellierung, Erfassung, Strukturierung, Analyse und Visualisierung von Information, die einen Raum- und auch Zeitbezug hat. Für die Erfassung der Geoinformation gelangt eine Vielzahl von terrestrischen, aero- und satellitengestützten Methoden zum Einsatz. Diese liefern Geodaten, die als raum- und zeitbezogene Grundlage für kommunale, regionale und globale Informationssysteme dienen. Darüber hinaus werden sie für zahlreiche Anwendungen der Positionierung und Navigation wie auch der Geodäsie, der Bestimmung des Erdschwerefeldes und der Überwachung globaler Prozesse benötigt. Dazu ist es erforderlich, die Fähigkeit zur Bewertung solcher Prozesse vor einem wissenschaftlichen Hintergrund zu kultivieren. Somit spannt sich der Bogen des in diesem Studium vermittelten Wissens und der daraus resultierenden Fertigkeiten von der Erfassung bis zur Analyse und Kommunikation, eingebettet in ein Umfeld moderner Technologien, von denen die Informationstechnologie ein wesentliches Segment darstellt.
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